Coltan im Kongo

Der griechische Gott Tantalus war dazu verdammt, in der Unterwelt auf alle Ewigkeit zu leiden - "Ewiges Leid" ist auch das Schicksal von Millionen Kongolosen, die ihren Lebensunterhalt versuchen mit dem Rohstoff Coltan zu bestreiten, einem Erz aus dem das seltene und hochwertige Metall Tantal gewonnen wird.

Schon seit der Zeit König Leopolds' findet die systematische Ausbeutung im Kongo statt - für das Land gesegnet mit Bodenschätzen wie Diamanten, Gold Kupfer, Kobalt und Coltan wurde der Ressourcen-Reichtum zu einem nicht endenden Fluch.

Was damals das Elfenbein war, ist heute das Colombo-Tantalit, welches unter menschenunwürdigen Bedingungen für die Bedürfnisse der Industrienationen gefördert wird.

Colombo-Tantalit, abgekürzt Coltan, dient der Produktion von leistungsstarken Elektrolyt-Kondensatoren für Mobiltelefone, Computer und CD-Player. Das Mineral ist außerdem heiß begehrt in der Raumfahrt und wird zur Herstellung von Waffen und medizinischen Instrumenten eingesetzt.

Weltmarktführer für Coltan ist die BAYER-Tochter HC Starck, die auf den Appell der UN von 2002 reagiert hat und behauptet mittlerweile keinen schwarzen Sand mehr aus dem Kongo zu kaufen und wenn nur aus legalen Quellen.

Doch aus Wettbewerbsgründen besteht der Konzern darauf, seine Zulieferer nicht zu verraten und macht sich auf diese Weise mitschuldig, wie auch die Fluggesellschaften wie Sabena oder Swissair, die jahrelang den wertvollen Rohstoff nach Europa transportiert haben.

Insgesamt veröffentlichte die UN eine Liste von knapp 50 Unternehmen, die von der Plünderung profitiert haben.

Im Kivu-Distrikt und in Maniema im östlichen Teil der Demokratischen Republik Kongo befinden sich 80% des weltweiten Coltan-Vorkommens - das begehrte Mineral ist der Motor und das Öl für den seit den 90ern andauernden Konflikt.

Involviert in den illegalen Coltan-Abbau sind Regierende, das Militär und Rebellen-Gruppen, wie das Rassemblent Congolais pour la Démocratie (RCD), wobei viele Gebiete auch von der ruandisch-patriotischen Armee, Mai-Mai-Milizen oder der ruandischen Befreiungsarmee kontrolliert werden.

Es herrscht ein erbitterter Krieg um den Zugang zu den Rohstoffquellen, dessen Gewinne in Waffen-Nachschub zurückfließen - ein nicht endender Teufelskreis, dem seit den 90ern mehrere Millionen Menschen zu Opfer gefallen sind.

Zwar sind seit dem Boom zu Anfang des Jahrtausends die Preise stark gefallen, von inflationären 480 $/kg im Jahre 2000 auf etwa 80 $ 2005, aber das hat die Lage nicht verbessert, sondern im Gegenteil:
Der sinkende Wert hat dazu geführt, dass die Arbeiter mittlerweile so gut wie nichts für ihren lebensgefährlichen Job verdienen und oft werden Kriegsgefangene und ruandische Häftlinge zur Zwangsarbeit zum Abbau eingesetzt.

Der Raubbau findet illegal statt, ohne Rücksichtnahme auf Mensch, Tier und Natur.
Die beispiellose Ausbeutung hat gravierende Umweltschäden zur Folge, da die Plünderer selbst vor Nationalparks nicht halt machen und es geschafft haben fast den gesamten Lebensraum der Gorillas zu zerstören.

Die Bevölkerung flüchtet in die Städte, um sich vor gewaltigen Übergriffen zu schützen, was zu einer schnellen und chaotischen Urbanisierung führt mit gleichzeitigem Verfall öffentlicher Strukturen und weit verbreiteter Erwerbslosigkeit.

Während Organisationen wie Medecins Sans Frontiere mit 2000 einheimischen und 150 internationalen Kräften an der Basis den bedürftigen Menschen direkte Hilfe leisten oder das Tierschutzprojekt Born Free sich für den Erhalt der Gorillas einsetzen, bemühen sich viele  internationale Organisationen, unter anderem Global Witness oder die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mit ihren Kampagnen Druck auf die kongolesische Regierung auszuüben.

Die Unterzeichnung eines Staatsvertrags zur Bekämpfung von Korruption und guter Regierungsführung dieses Jahr ist ein wichtiger Schritt, um die Politiker
zu Verantwortung zu ziehen, da viele von ihnen selbst verstrickt sind im Kampf um Schürflizenzen.

Doch für eine aktive Umsetzung müssen die Geberländer mitspielen und Bedingungen stellen an ihre kongolesichen Partner in der Politik, Wirtschaft und der Entwicklung, um einen fairen, legalen und friedlichen Handel zu ermöglichen.

Die Forderung der GfbV ist, jede nicht-humanitäre Hilfe von einer Verbesserung der Transparenz staatlichen Handelns und einer Förderung guter Regierungsführung abhängig zu machen.

Denn der blutige Mineralien-Krieg in Kongo  in Kongo kann erst ein Ende finden, wenn es gelingt mit strengen internationalen Kontrollen den illegalen Handel zu unterbinden.

empfehlungen

> buch king leopold's ghost

> film king leopold's ghost

> wikipedia zu coltan

> epo

> medicines sans frontieres

> global witness

> born free

> gfbv

> aktiv werden