was hat klimawandel mit hunger in afrika zu tun?
Klimawandel und dessen globale Auswirkungen sind in aller Munde. Es sind Signalworte wie das Schmelzen der Gletscher in der Arktis, der Anstieg des Meeresspiegels, die zunehmenden Flutkatastrophen und die Treibhausgase, die wir sofort mit diesem Thema verbinden. Gleichzeitig tauchen Begriffe wie das Kyoto-Protokoll, der Friedensnobelpreis für den UN-Klimarat und Al Gore und der G8-Gipfel von Heiligendamm in unseren Köpfen auf. Neben all diesen Schlagwörtern und den Erfolgsmeldungen des G8-Treffens, das die USA mit ins Boot nehmen konnte, geraten die alltäglichen Aspekte des Klimawandels ins Abseits.
Dies zu vermeiden, hat Nicholas D. Kristof in einem Artikel in der New York Times die Auswirkungen des sich verändernden Klimas auf eine der ärmsten Regionen der Welt erneut ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Eigentlich ist es keine neue Erkenntnis, die er zu Papier bringt. Er verweist auf die Feststellungen des UN-Gremiums IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change): Selbst wenn wir sofort weniger Treibhausgase ausstoßen würden, wäre eine Klimaveränderung nicht mehr abzuwenden. In einigen Regionen sind steigende Temperaturen, extreme Trockenheit und das Vordringen der Wüsten die Folge, in anderen Gebieten kommt es dagegen zu extremen Niederschlägen und flache Küstengebiete werden von dem ansteigenden Meeresspiegel bedroht.
Doch neben all den Diskussionen um die Auswirkungen wird sehr häufig der Aspekt der Anpassung an die Veränderungen des Klimas unberücksichtigt gelassen. Denn dieser betrifft die Ärmsten der Armen erneut am Schlimmsten. Wer von der Hand in den Mund lebt, wer Subsitenzwirtschaft betreibt, kann sich gegen Ernteausfälle, Überschwemmungen, Krankheiten usw. nicht ausreichend schützen. Die Länder Afrikas werden davon besonders stark betroffen sein.
"Klimawandel in Afrika ist eine Frage von Leben oder Tod", sagt Dr. Menghestab Haile, ein Vertreter des UN World Food Programme. Er beklagt auch, dass beispielsweise von wissenschaftlicher Seite bereits heute vorhergesagt werden kann, in welchen Regionen Afrikas mit Dürre und Ernteausfällen zu rechnen sein wird, jedoch tragischerweise diese Erkenntnisse nicht zu entsprechendem Handeln führen.
"Während die meisten von uns in der entwickelten Welt über das schmelzende Polareis und die steigenden Meeresspiegel grübeln oder uns, noch prosaischer fragen, ob wir jemals wieder weiße Weihnachten haben werden, stecken die ärmeren Regionen der Welt bereits bis zu den Knien im Schlamm der globalen Erwärmung", steht in einem Artikel des WFP.
Das BMZ stellte bereits 2002 fest, dass Ernteeinbußen dazu führen können, dass im Jahr 2080 zusätzlich 70 Mio. Menschen an Hunger leiden und in 25 Jahren 5,4 Milliarden Menschen von akutem Wassermangel betroffen sein könnten.
Wir müssen uns dafür engagieren, dass in Konferenzen wie beispielsweise der kommenden UN Klimakonferenz in Bali im Dezember 2007 nicht nur über Emissionswerte und Auswirkungen des Klimawandels, sondern vermehrt auch über Instrumente der Anpassung, insbesondere für die ärmeren Weltregionen, diskutiert wird.