Die Maternidade von Baucau in Osttimor

Senhora Maria hätte viele Gründe stolz zu sein. Denn ohne ihr freiwilliges Engagement bliebe die Maternidade, das Geburtshaus von Baucau, bis heute lediglich ein Mahnmal, an dem die die Spuren der Geschichte Osttimors zu sehen sind: Spuren, die von Diktatur und Zerstörung, von Gewalt und Unterdrückung sprechen. Das indonesische Militär hinterließ nach 24-jähriger illegaler Besatzung Osttimors ein verwüstetes Land. Beispielhaft ist die Geschichte des kleinen zwischen Indonesien und Australien gelegenen Staates in der Timorsee an der Maternidade von Baucau abzulesen.

1946 auf Veranlassung der Ehefrau des damaligen portugiesischen Gouverneurs erbaut, diente das bescheiden wirkende Gebäude bis 1984 als Geburtshaus. Zehn Jahre nach der Besetzung Osttimors hielt das indonesische Militär 1984 Einzug in das Geburtshaus und blieb bis 1999: das Jahr, in dem sich die Bevölkerung Osttimors in einem Referendum für die Unabhängigkeit entschieden hatte. Das Militär hinterließ in einem letzten Akt der Gewalt eine zu 70 Prozent zerstörte Insel.

Die Maternidade trägt bis heute ihre Spuren davon. Doch Senhora Maria hat nie aufgegeben. Mit eisernem Willen, Geduld und Ausdauer, der Unterstützung einer kleinen einheimischen NGO, der Fundação Lafaek Diak, und einem seit 2004 anhaltenden Engagement der Deutschen Osttimor Gesellschaft (DOTG), ist es gelungen, das Haus zu seiner ursprünglichen Bestimmung zurückzuführen.

Damit begegnet Senhora Maria in kleinem Rahmen einem umfassenden Problem: Osttimor zählt zu einem der ärmsten Länder der Welt. Nach dem Landesbericht der WHO liegt Osttimor mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 460 US$ pro Jahr auf Platz 140 weltweit und auf einem der letzten Plätze in Asien. 40 Prozent seiner Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze (PDF-Dokument). Die Situation der Frauen ist sehr bedrückend. Bei 100.000 Geburten sterben 660 Mütter (in Deutschland 12). Dazu gibt es eine Vielzahl von Risikogeburten aufgrund einer unter Frauen weit verbreiteten Blutarmut. Bis heute haben nur 24 Prozent der Schwangeren fachliche Unterstützung bei der Geburt und nur 43 Prozent Zugang zu Geburtsvorbereitungsmaßnahmen. Da 1999 beim Abzug der indonesischen Truppen ca. 80 Prozent der Gesundheitseinrichtungen zerstört wurden, ist der Wiederaufbau der Maternidade in Baucau ein Hoffnungsschimmer und Rettungsanker für viele.

empfehlungen

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